Neues Sozial-Bürgerbüro öffnet in Striesen

Sozialbürgermeisterin Kristin Klaudia stellt (probeweise) einen Sozialhilfeantrag an einem der neuen Tresen im Sozialamt in Striesen. Foto: Heiko Weckbrodt

Sozialbürgermeisterin Kristin Klaudia stellt (probeweise) einen Sozialhilfeantrag an einem der neuen Tresen im Sozialamt in Striesen. Foto: Heiko Weckbrodt

Amt hat Ex-Pentagon-Kantine für 150.000 Euro zum Service-Foyer umgebaut

Striesen, 28.09.26. Damit in der Behörde alles besser flutscht, hat das Sozialamt in Striesen eine Art eigenes Bürgerbüro eingerichtet: In der früheren Pentagon-Kantine auf der Westseite der Junghansstraße haben Arbeiter für 150.000 Euro acht Tresen, 50 Sitzplätze und allerlei Bildschirme eingebaut. Dort können ab 1. Oktober die Dresdner sowie eintreffende Asylbewerber gleich direkt Wohngeld, Bildungszuschüsse, Obdachlosen-Unterstützung und andere Hilfen vom Sozialamt beantragen. „So können unsere Kunden Wege und Wartezeiten einsparen“, begründet Sozialbürgermeisterin Kirs Kaufmann (Linke) diese neue Anlaufstelle weit außerhalb von Zentrum und Zentralrathaus.

Koralle soll Hitzköpfe beruhigen

Einfach Anliegen sollen die kommunalen Sozialhelfer gleich am Tresen erledigen, aufwändigere Wünsche an die Fachabteilungen in den Obergeschossen des ehemaligen Fabrikgebäudes weiterleiten. Dahinter steht ein mehrstufiges Konzept, um Bearbeitungs- und Wartezeiten zu straffen und gleichzeitig bürgerfreundlicher zu werden, erklärt die Bürgermeisterin: Mehr und mehr Dresdner sollen Stütze-Anträge gleich digital über die Sammelseite dresden.de/Sozialamt einreichen. Wer das nicht kann und will, macht per Internet einen Termin für den neuen Servicebereich in der Junghansstraße 2 oder direkt mit einem Sachbearbeiter aus. Und die Spontanen kommen dann eben so vorbei und ziehen eine Wartemarke. Damit kein erboster Klient alles kurz und klein schlägt oder mit der Machete auf die Sachbearbeiterin am Tresen losgeht, stehen Wachleute an der Tür. Außerdem hat Kaufmann das neue Sozial-Bürgerbüro in Korallenfarbig streichen lassen. „Die Fachleute haben uns das empfohlen“, sagt sie. Die Korallenfarbe soll wohl beruhigend auf erhitzte Gemüter wirken.

Sozialamt ist auf 15 Standorte verteilt – Stadt will Behörde nun in Striesen konzentrieren

Das neue Service-Foyer ist zudem Teil eines größeren Plans, das Sozialamt in Striesen zu konzentrieren: Derzeit ist die Behörde auf 15 Standorte in ganz Dresden verteilt, viele davon sind Mietobjekte. Diese Kosten will der Kämmerer im Rathaus sparen, diese Mietverträge peu à peu kündigen und die Mitarbeiter alle an der Junghansstraße zusammenzuziehen.

Sozialbürgermeisterin Kristin Klaudia Kaufmann (Linke) und Sozialamtsleiter Christian Knappe freuen sich über das neue Sozial-Bürgerbüro an der Junghansstraße. Foto: Heiko Weckbrodt

Sozialbürgermeisterin Kristin Klaudia Kaufmann (Linke) und Sozialamtsleiter Christian Knappe freuen sich über das neue Sozial-Bürgerbüro an der Junghansstraße. Foto: Heiko Weckbrodt

Amt rechnet mit 7 % mehr Stütze-Empfängern bis 2030

Hinzu kommt: Seit den 1990er Jahren ist der Kreis der Empfänger ganz verschiedener sozialer Hilfen von Asylgeld bis Wohngeld in Dresden immer größer geworden. Inzwischen betreut das Sozialamt bereits rund 90.000 Menschen. Durch die Überalterung der Gesellschaft klopfen immer mehr Rentner an, die Pflege, Alters-Grundsicherung und dergleichen brauchen. Auch leben mehr und mehr hilfebedürftigen Behinderte in der Stadt. Zudem buckelt der Bund den Kommunen gerne immer wieder mal neue Sozialausgaben auf. Zwar stagnieren oder schrumpfen auch manche Zielgruppen – derzeit beispielsweise die Asylbewerber. Doch per Saldo rechnet Sozialamtsleiter Christian Knappe bis zum Ende der Dekade mit sieben Prozent mehr Klienten für seine Behörde.

Strategen setzen vor allem auf Digitalisierung und Automatisierung

Was auch heißt: Knappe sowie seine Mann- und Frauschaft müssen neue Wege finden, um mit der gleichen oder gar stagnierenden Belegschaft sowie weniger Etat mehr Hilfesuchende zu betreuen. Heimarbeit kann das ein Weg sein, neue Raumstrukturen im Striesener Altbau ein anderer. „Digitalisierung und Automatisierung werden auch eine wachsende Rolle spielen“, ist sich Sozialamts-Stratege Philipp Schäfer sicher. Wenn Sie also demnächst in der Behörde einen humanoiden Roboter als Concierge treffen, wundern Sie sich nicht: Das könnte alles zum großen Plan gehören 😉

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Vor-Ort-Besuch, Auskünfte Sozialbürgermeisterin, Sozialamtsleiter, Oiger-Archiv

Grafik: M. Arndt
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