
In den älteren Flügeln „A“, „B“, „C“ und „D“ der früheren Ernemannwerke auf der rechten Seite sitzen heute das Sozialamt und weitere Behörden. Links ist Flügel „E“ mit dem Ernemannturm zu sehen, der gemeinsam mit den Flügeln F und G heute die Technischen Sammlungen Dresden beherbergt. Ein Teil der Flügel ist bereits über 100 Jahre alt. Foto: Heiko Weckbrodt
Technische Sammlungen in Striesen bleibt bis Herbst 2029 geschlossen
Striesen, 26.10.26. Nach einem großen Abschiedsfest am kommenden Wochenende beginnen in den „Technischen Sammlungen Dresden“ (TSD) an der Junghansstraße die schon lang geplante Sanierung. Das größte städtische Museum bleibt in diesem Zuge für drei Jahre geschlossen, bietet in dieser Zeit aber ein kleines Ausstellungs- und Mitmachprogramm im Landhaus an der Wilsdruffer Straße an. Das haben der scheidende TSD-Direktor Roland Schwarz, Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) und Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) heute angekündigt.
Energetische Sanierung und Umbau kosten 20,4 Millionen Euro
Die 20,4 Millionen Euro teure Sanierung der ehemaligen Ernemann-Kamerafabrik samt Umbau des Innenhofes sei dringend geboten und längst überfällig, betonten alle drei: „Manche Fenster halten nur noch aus Gewohnheit“, pointiert Kühn. Um den Museumsbetrieb fortzuführen und das Haus zu einem echten „Science Center“ weiterzuentwickeln, seien die Bauarbeiten unbedingt nötig, ergänzt Schwarz. Hinzu kommt der besondere industriegeschichtliche Stellenwert des Gebäudekomplexes in Striesen, der erst die Kamerafabriken von Heinrich Ernemann beherbergte, dann Zeiss Ikon. Zu DDR-Zeiten produzierte hier das Pentacon-Kombinat, nach dessen Untergang 1993 schließlich die TSD einzogen. Insofern investieren Stadt und Bund hier nicht nur in ein Museum, „sondern zugleich in den Erhalt des Ernemannbaus als eines der bedeutendsten Industriedenkmale Dresdens“, betonte Klepsch.
Röhrenrechner werden eingehaust, Radios und Schreibmaschinen kommen ins Depot
Nach dem Abschiedsfest am Samstag und Sonntag räumen die Museumsmitarbeiter ab dem 2. November zunächst mit den großen Lastenaufzügen, die noch aus den Fabrikzeiten des Gebäudes stammen, zunächst Tausende historische Computer, Radios, Fernseher, Schreibmaschinen, Kameras und andere technische Geräte in Laster, um die Ausstellungsstücke dann in Außendepots einzulagern. Große und transport-empfindliche Exponate wie etwa Röhrenrechner werden in den Museumsetagen eingehaust, um sie vor Baustaub und Presslufthammer-Vibrationen zu schützen.
Verkleinertes Mathe-Land zieht ins Landhaus
Rund ein Zehntel der Exponate – darunter viele Mitmach-Stationen aus dem „Erlebnisland Mathematik“ – bauen die TSD-Experten dann im zweiten Obergeschoss des Landhauses wieder auf. Dort öffnet dann voraussichtlich im April oder Mai 2027 die Interimsausstellung des Technikmuseums. Außerdem tüfteln die Kuratoren, Museumspädagogen und Handwerker an mobilen Exponaten, darunter womöglich auch die beliebte „Quantenkatze Q“, die dann durch Sachsens Schulen tingeln sollen.

Dieses Treppenhaus wollen die Planer aufstocken, um einen 2. Rettungsweg zum Ernemannturm zu schaffen. Foto: Heiko Weckbrodt
Arbeiter verfüllen einsturzgefährdeten Lagerkeller im Hof
Parallel dazu beginnen die Hauptarbeiten am TSD-Komplex: Ab März 2027 reißen die Bauarbeiter die Decke des einsturzgefährdeten Hofkellers ein. Ab August erneuern sie rund 600 Fenster, etwa 1400 Quadratmeter Fassade, decken 2300 Quadratmeter Dachfläche neu und montieren darauf Solaranlagen. Außerdem erhöhen sie das Treppenhaus zwischen den Flügeln „E“ an der Schandauer Straße und „F“ an der Junghansstraße. Durch die Treppenverlängerung nach oben bekommt das Turmcafe den schon lange von Brandschützern geforderten zweiten Rettungsweg.
Der scheidende TSD-Direktor Roland Schwarz hat schon seit Jahren eine Vision für den maroden Innenhof des Museums: Entstehen soll hier ein „Garten der Wissenschaften“. Foto: Heiko Weckbrodt
„Das ist schon seit Jahren ein Sehnsuchtsprojekt von uns.“
TSD-Direktor Roland Schwarz
Direx hofft auf Besuchersprung durch „Garten der Wissenschaften
Bis zum Herbst 2029 sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein, so dass die TSD dann wieder öffnen können. Soweit der Stadtrat das Geld dafür herausrückt, soll dann auf dem – dann bereits zuschütteten – Hofkeller für fünf Millionen Euro ein „Garten der Wissenschaften“ entstehen. „Das ist schon seit Jahren ein Sehnsuchtsprojekt von uns“, erzählt Schwarz. Der Direktor stellt sich einen mit Blumen, Büschen, Bäumen und vertikalen Gärten begrünten Innenhof vor, in dem die Besucher zwischen Großexponaten rund um die Themen Wind, Sonnenlicht und Klimawandel lustwandeln, sich erholen und in einem Café einkehren.
„Das hier ist einer der heißesten Plätze in Dresden.“
Ein Grund für dieses Vorhabens: „Das hier ist einer der heißesten Plätze in Dresden“, erklärt Roland Schwarz doppeldeutig. Gemeint ist in diesem Fall: Die in industriellen Zeiten zubetonierten Flächen und Gebäude sorgen im Sommer immer wieder Striesener Hitzespitzen. „Durch die Begrünung wollen wir das Mikroklima hier verbessern“, betont der Direktor. Der zweite Punkt hängt mit dem ersten zusammen: Im Sommer herrscht im Museum oft eine Bullenhitze und vertreibt die Neugierigen. „Die Erfahrungen von anderen Science Centern und Museen zeigen, dass Außenanlagen vor allem im Sommer die Besucherzahlen sprunghaft ansteigen.“
Chiplabor für Schulklassen und Familien
Ebenfalls auf der Agenda steht ein „Chip-Labor“ – ein interaktives Schaufenster der wachsenden Mikroelektronik-Industrie in Dresden. Die dafür nötigen Millionen müssen Schwarz, Klepsch und Kühn aber erst mal zusammenkratzen.
Und auch damit ist es nicht getan, betont der Baubürgermeister: „Ab 2030 müssen wir uns weiteren Sanierungsthemen widmen, zum Beispiel den Fußböden, der Barrierefreiheit den Sanitäreinrichtungen und der Elektrik.“ Dafür seien im Moment noch keine Mittel in Sicht. Immerhin: Selbst wenn das Geld dafür beisammen ist, wird für diese letzten Vorhaben keine erneute Komplettschließung des Museums notwendig sein, ist Kühn überzeugt: „Das kann man nebenher in Teilabschnitten machen.“
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Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Vor-Ort-Besuch, Auskünfte TSD, LHD, Landesamt für Denkmalpflege, Wikipedia

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