Laubestraße bleibt für Autos blockiert, um Radler auf Radroute vor Rasern zu schützen

Ein Stück der Radroute Ost auf der Laubestraße ist nun für Autos eine Einbahnstraße. Foto: Heiko Weckbrodt

Ein Stück der Radroute Ost auf der Laubestraße ist seit 1 Jahr für Autos eine Einbahnstraße. Dagegen gab und gibt es Widerstand. Foto: Heiko Weckbrodt

Landesbehörde stuft Widersprüche gegen Einbahnstraßenregeln für Kfz als „unbegründet“ ein

Striesen, 12.09.26. Der mittlere Teil der Laubestraße in Striesen bleibt für Autos gesperrt, um Fahrradfahrer auf der Radroute Ost vor Rasern und Kfz-Durchgangsverkehr zu schützen. Über diese Entscheidung des „Landesamtes für Straßenbau und Verkehr“ (Lasuv) hat nun die Stadtverwaltung Dresden berichtet: „Die Verkehrsregelung der Landeshauptstadt wird darin bestätigt und die Widersprüche werden als unbegründet zurückgewiesen.“

Rathaus hatte Mittelstück vor 1 Jahr zur Einbahnstraße erklärt, um Auto-Durchgangsverkehr zu bremsen

Hintergrund: Weil immer mehr Autofahrer die Fahrradstraßen zwischen dem Straßburger Platz und der Altenberger Straße als schnelle Durchgangspiste missbraucht haben, hatte das Rathaus gegengesteuert: Einerseits verkleinerten Bauarbeiter im Stadtauftrag mehrere Kreuzungen der „Radroute Ost“, insbesondere auf der Laubestraße, der Glashütter und der Kipsdorfer Straße. Andererseits beschilderte die Verkehrsbehörde im September 2025 die Laubestraße zwischen Haenel-Clauß-Straße und Elfriede-Lohse-Wächtler-Straße für Autos in beiden Richtungen zur Einbahnstraße – nur Radler dürfen seither diesen Abschnitt weiter passieren.

Ähnlich wie hier an der Kreuzung von Glashütter und Gottleubaer Straße vergrößern Bauarbeiter nun an der Kreuzung der Radroute Ost mit der Bärensteiner Straße die Fußwege und verkleinern dadurch die Kreuzung. Foto: Heiko Weckbrodt

Auch die Kreuzung von Glashütter und Gottleubaer Straße wurde verkleinert, um die Fahrradstraße sicherer und weniger attraktiv für Raser zu machen. Foto: Heiko Weckbrodt

Anwohner ärgern sich über „schnellen Schleichverkehr“

Seither benutzen merklich weniger Autos den mittleren Teil der „Radroute Ost“ als schnelle Abkürzungspiste zwischen Stadtzentrum und Striesen beziehungsweise Seidnitz und Tolkewitz. Weniger begeistert waren Anwohner des Neubauquartiers zwischen Laube- und Mansfelder Straße: Seit die Laubestraße für Autos blockiert ist, schlängeln sich – teils mit hohem Tempo – mehr Kraftfahrzeuge durch das Wohngebiet. Dabei handelt es sich allem Anschein nach einerseits um Bewohner, denen nun der Geduldsfaden bei der Parkplatzsuche reißt, andererseits um Auswärtige, die die Fahrradstraße dennoch weiter als schnelle Durchgangsstraße benutzen wollen und nun – verärgert über die Einbahnstraßenreglung – so schnell wie möglich den blockierten Abschnitt durchs Wohngebiet zu umfahren versuchen.

„Die Anordnung der gegenläufigen Einbahnstraßenregelung ist geeignet, die Anzahl der Kfz auf der Fahrradstraße zu vermindern.“
Lasuv via Stadtverwaltung Dresden

Daher hatten sich in den vergangenen zwölf Monaten Anwohnerbeschwerden gehäuft. Die offiziell eingereichten Widersprüche hat nun die Landesbehörde zurückgewiesen. Die Begründung im schönsten Bürokratendeutsch: „Die Anordnung der gegenläufigen Einbahnstraßenregelung ist geeignet, die Anzahl der Kfz auf der Fahrradstraße zu vermindern und deren Nutzbarkeit damit zu erhöhen. Mit der Einbahnstraßenregelung besteht keine direkte Verbindung auf der Laubestraße/Prossener Straße zwischen Bergmannstraße und Geisingstraße. Dem Kfz-Verkehr steht somit nicht die Möglichkeit der vollständigen Durchfahrt im Bereich der Fahrradstraße zur Verfügung, was wirksam dazu beiträgt, die Belegung mit Kfz im Bereich Laubestraße zu reduzieren.“

Stadt prüft Verkehrsberuhigung auf der „Mansfelder“

Ganz umsonst bleiben die Anwohnerproteste aber wohl nicht: Die Stadtverwaltung prüft nun zumindest eine „Verkehrsberuhigung“ auf der Mansfelder Straße, im diese Ausweichroute für den Durchgangsverkehr weniger attraktiv zu machen.

Baubürgermeister Stephan Kühn und seine Radbeauftragte Paula Scharfe beim Proberadeln nahe den Technischen Sammlungen Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Baubürgermeister Stephan Kühn und seine Radbeauftragte Paula Scharfe beim Proberadeln nahe den Technischen Sammlungen Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Konfliktquelle: Weil weniger Dresdner Auto fahren, verteilt Stadt den Straßenraum fürs Fahrrad um

Allerdings: Selbst wenn die „Prüfung“ positiv ausfällt, kochen die Konflikte zwischen den Interessen von Radlern, Autofahrern und Anwohnern weiter. Ein Grund: Die Stadt verteilt seit geraumer Zeit Verkehrsraum spürbar vom Auto- zum Fahrradverkehr um. Denn laut Erhebungen der TU Dresden ist der Anteil der Wege, den die Dresdner mit Kraftfahrzeugen zurücklegen, auf 29 % gesunken (2013: 38%), während der Anteil der Wege per Fahrrad seit der Nachwendezeit (8%) bis zur Corona-Zeit auf 18 Prozent gestiegen ist und seither etwa auf diesem Niveau verharrt. „Per pedes“ erledigen die Dresdner inzwischen sogar 34% aller Wege – damit hat der Fußverkehr sogar den Autoverkehr mittlerweile überholt. Wenn die Stadt daher Autospuren auf Straßen zu Gunsten von Radwegen verkleinert oder einschränkt, sorgt dies indes für Zündstoff.

Streit um Radroute Ost geht in die nächste Runde – diesmal in Tolkewitz

Ein weiterer Konfliktpunkt ist erst jüngst wieder beim Thema „Parkplätze“ eskaliert: Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn (Grüne) verlängert derzeit die Radroute Ost – wie schon länger geplant – auf der Kipsdorfer Straße bis zum Schulcampus Tolkewitz. Weil er dabei aber etwa die Hälfte der Parkplätze am Straßenrand streicht, gehen dort nun die Anwohner metaphorisch auf die Barrikaden.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: LHD, Striesen-oiger.de, statistik-dresden.de, TUD

Grafik: M. Arndt
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