Rettungsroute für die Laubegaster

Die Stadtplaner wollen die Salzburger Straße auf Ständer stellen. Dadurch soll sie dann wie eine Brücke über den alten Elbarm zwischen Laubegast und Leuben fungieren, damit Laubegast auch bei schweren Hochwassern noch evakuiert werden kann. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Stadtplaner wollen die Salzburger Straße auf Ständer stellen. Dadurch soll sie dann wie eine Brücke über den alten Elbarm zwischen Laubegast und Leuben fungieren, damit Laubegast auch bei schweren Hochwassern noch evakuiert werden kann. Foto: Heiko Weckbrodt

Stadt will Salzburger Straße für über elf Millionen Euro zur Evakuierungsbrücke über den alten Elbarm umbauen

Laubegast, 5. Februar 2020. Damit die Laubegast ihren Stadtteil auch bei einem Jahrhunderthochwasser ohne Boot verlassen können, wollen die Stadtplaner die Salzburger Straße zur Evakuierungs-Route umbauen. Sie soll dafür auf einer Länge von 300 Metern wie eine Brücke auf Ständern höher gelegt werden. Das sieht eine nun fertiggestellte Machbarkeitsstudie von Umweltamt, Stadtplanungsamt und Straßentiefbauamt vor.

Aufgeständerte Salzburger Straße soll Stadtteil auch bei 200-Jahres-Flut noch erreichbar machen

„Mit dieser Aufständerung kann auch ein HQ200 noch unter der Salzburger Straße abfließen“, erklärte das Umweltamt auf Oiger-Anfrage. Das heißt: Ein Elbhochwasser, wie es im Schnitt alle 200 Jahre (HQ200) einmal vorkommt, würde zwar wieder den alten Elbarm im Dresdner Osten füllen und Laubegast wie vor acht Jahren zur Insel machen. Doch anders als im August 2002 könnten die Elbfluten dann unter der Salzburger Straße hindurchströmen – und die Laubegaster noch zu Fuß, Auto oder Laster ihre Inselwelt verlassen.

Brücke mit Radstreifen geplant

Erste Schätzungen gehen davon aus, dass solch eine neue Elbarm-Brücke inklusive Fahrradstreifen mindestens 11,3 Millionen Euro kosten würde. „Diese Summe ist sicherlich auch noch mit den aktuellen Erfahrungen aufgrund der angespannten Marktlage im Baubereich abzugleichen“, hieß es dazu verklausuliert vom Umweltamt. Anders ausgedrückt: In der Praxis wird’s wahrscheinlich teurer. Mit einem Baubeginn seit frühestens 2025 zu rechnen.

Diskussion seit der Jahrtausendflut vom August 2002

Das „Aufständer“-Projekt ist Teil einer Flutschutz-Diskussion für den Dresdner Osten, die sich seit der Jahrtausendflut von 2002 hinzieht. Damals hatte sich die Elbe ihren alten Arm neben der Toeplerstraße, der Pirnaer Landstraße, durch die Kieseen und an der Einmündung des Lockwitztalbaches zurückgeholt – und die Laubegaster eingeschlossen.

Im alten Elbarm an der Salzburger Straße sind vor Jahren Sportplätze, Spielplätze und Kleingarten-Anlagen entstanden. Foto: Heiko Weckbrodt

Im alten Elbarm an der Salzburger Straße sind vor Jahren Sportplätze, Spielplätze und Kleingarten-Anlagen entstanden. Foto: Heiko Weckbrodt

Kaum Fortschritte: Widerstand von Anwohnern und Kleingärtnern, kein Landesgeld

Seitdem hat sich der Flutschutz dort nur punktuell verbessert. Eine geschlossene Abwehrlinie auch „nur“ gegen ein Jahrhunderthochwasser (HQ100) ist noch in weiter Ferne. Denn anders als in der Innenstadt gibt es für den Flutschutz im Dresdner Osten nur wenig Landesgelder. Zudem hatten sich die Anwohner der Elbe und des Elbarms erbittert gegen eine Damm- oder Mauerlösung gewehrt. Zudem hatten sich über die Jahrzehnte hinweg Kleingärtner, Pflanzen und Tiere im alten Elbarm angesiedelt, auch Sportanlagen sind entstanden.

Mauerlösung fallengelassen

Von der Mauerlösung sind die Planer angesichts des starken Widerstands wieder abgerückt. Sie präferieren inzwischen eine Schutzlinie aus vielen kleinen Einzellösungen. Dass Laubegast aber eine zuverlässige Evakuierungsroute braucht, ist kaum umstritten. „Das Hochwasser 2013 hatte wieder gezeigt, dass bereits bei einem HQ50 für Laubegast keine gesicherte Evakuierungsstraße mehr verfügbar ist“, heißt es vom Umweltamt. „Deshalb müssen in besonderem Maße auch die Anschlüsse der Brücke an das umliegende Straßennetz noch vertieft untersucht werden.“

Die Planer haben ihre Vorstellen nun dem Stadtbezirks-Beirat Blasewitz vorgestellt. Der kann aber nicht darüber entscheiden und hat das Papier nur „zur Kenntnis genommen.“ Wenn demnächst aber auch der Stadtrat grünes Licht für die Ständerbrücke geben sollte, wollen sich die kommunalen Projektanten 2021/22 mit der Feinplanung beschäftigen. Und die Stadtplaner hoffen derweil darauf, dass derweil viele Kleingärtner und andere Nutzer den alten Elbarm freiwillig aufgeben.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: LHD, Umweltamt, Stadtbezirksbeirat Blasewitz

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