Kinder wollen mehr Freiräume in Striesen

Wie hier an der Glashütter Straße haben Bauherren in Dresden-Striesen in jüngster Zeit viele Brachen überbaut und Lücken geschlossen. Hier hat der Investor auch an einen kleinen Spielplatz gedacht - aber öffentlich sind diese privaten Spielplätze nur selten zugänglich. Foto. Heiko Weckbrodt

Wie hier an der Glashütter Straße haben Bauherren in Dresden-Striesen in jüngster Zeit viele freie Brachen überbaut und Lücken geschlossen. In diesem konkreten Fall hat der Investor auch an einen kleinen Spielplatz gedacht – aber öffentlich sind diese privaten Plätze nur selten zugänglich. Foto: Heiko Weckbrodt

Junge Reporter drehen Doku über Spielplatz-Mangel in Dresdner Villenvierteln

Striesen/Blasewitz/Gruna, 31. Mai 2016. Zwei Mädchen toben kreischend um den Baum inmitten eines Wohn-Karrees. Eine Frau nähert sich durch den Innenhof, zitiert die spielenden Kinder zu sich: „Es ist absolut unerhört, wie ihr hier rumschreit!“, empört sie sich.

Eine nachgestellte, aber wohl typische Szene, die Kinder und Jugendliche für ihre 22-minütige Videoproduktion „Film ab für Deinen Lieblingsplatz!“ inszeniert haben. In ihrer (mit Profi-Hilfe) selbstproduzierten Reportage erklären sie der Erwachsenschaft, was ihnen in den beliebten Dresdner Wohngegenden Striesen, Blasewitz und Gruna nicht passt. Tenor: Gerade in den Villenvierteln fehlt es an Raum zum unbeschimpften Austoben, speziell an legalen Plätzen für junge Fußballer, Parkour-Athleten, Callisthenics-Sportler und Graffi-Sprüher. Und vor allem an Spiel- und Treff-Orten, zu denen sie ohne Anmeldung spontan hingehen können.

„Voll blöd“

„Ich finde es voll blöd, dass wir wegen der Wäschegitter hier nicht Fußball spielen dürfen“, beschwert sich beispielsweise ein Junge und knetet auf einem blauen Ball herum. Die Nachbarn fürchten, dass die Fußbälle die frische Wäsche verdrecken. Im Innenhof ist ein Blechschild zu sehen: Fußball verboten!

Diese Kinder wollen mehr Fußballplätze. Abb.: Bildschirmfoto aus: "Film ab..."

Diese Kinder wollen mehr Fußballplätze. Abb.: SAEK/ Bildschirmfoto aus: „Film ab…“

Auch Ortsamtsleiterin sieht Spielplatz-Mangel in Striesen und Blasewitz

Ein Spielplatz-Defizit sieht auch die Blasewitzer Ortsamtsleiterin Sylvia Günther: „Da muss sich dringend was ändern“, sagt sie den jungen Reportern. Die Ortsamtsleiterin hofft dabei auf die Kooperationsbereitschaft von privaten Hauseignern, aber auch von Kitas und Schulen und auf, die oft schöne Spiel- und Sportplätze haben, sie bisher aber nicht für alle Kinder öffnen. Aber sie nennt den Kindern auch die Haken dabei: Dann müsse auch sicher sein, dass die privaten und Kita-Spielplätze nicht ständig verschmutzt und zerstört werden. „Das wird eine große Herausforderung sein.“

Auch in früheren gesamtstädtischen Spielplatz-Konzepten war bereits immer wieder die Rede von Engpässen in geburten- und zuzugsstarken Vierteln wie Striesen-Ost die Rede gewesen: vor allem gebe es hier zu wenige Spielplätze für kleine Kinder und für Trendsportarten. Allerdings kann man auch beobachten, dass inzwischen private Wohnbau-Investoren nun doch wieder verstärkt kleine Spielplätze für ihre Wohnhäuser einplanen.

Besonders hübsch ist der Holzrabe, der seit dem jüngsten Umbau auf dem Spielplatz am Niederwaldplatz auf kleine Reiter wartet. Foto: Heiko Weckbrodt

Umgebauter Spielplatz am Niederwaldplatz. Foto: Heiko Weckbrodt

Lückenschluss-Bauboom lässt Freiräume weiter schrumpfen

Über ein Problem sind sich Ortsamtsleiterin, Jugendhelfer Stadtplaner wie auch Forschende einig: Durch den Bauboom und viele Lückenschluss-Bauten im Dresdner Osten schrumpfen die Freiräume seit einigen Jahren deutlich und damit auch die Chancen, für Kinder und Jugendliche Plätze für moderne Trendsportarten, für Spiel und Treffs einzurichten.

Und es gebe auch immer weniger Orte, an denen sich Kinder und Jugendliche einfach nur treffen und bewegen können, meint Gemeindepädagoge Stephan Wilczek. „Der Hermann-Seidel-Park zum Beispiel ist inzwischen hemmungslos überrannt.“

Sozialpädagogin Janet Braun und Gemeindepädagoge Stephan Wilczek von der Stadtteilrunde Blasewitz wollen mit dem Film Kindern aus dem Viertel eine Stimme geben. Abb.: Bildschirmfoto aus: "Film ab..."

Sozialpädagogin Janet Braun und Gemeindepädagoge Stephan Wilczek von der Stadtteilrunde Blasewitz wollen mit dem Film Kindern aus dem Viertel eine Stimme geben. Abb.: Bildschirmfoto aus: „Film ab…“

Stadtteilrunde Blasewitz will mit Film Kindern eine Stimme geben

Entstanden war die Themen-Reportage auf Initiative der „Stadtteilrunde Blasewitz“, in der sich Jugendhelfer und andere lokale Akteure zusammengeschlossen haben. „Wir wollen auch mit diesem Film Kindern und Jugendlichen aus unseren Stadtteilen eine Stimme geben“, erklärte Sozialpädagogin Janet Braun von der Stadtteilrunde. „Denn wir finden: Die Räume für sie werden immer enger, vor allem in Blasewitz.“

Experten-Hilfe bei der Produktion hatten die Kinder und die Stadtteilrunde von Frank Nagel vom Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanal (SAEK) bekommen, der den jungen Filmemachern auch Profitechnik borgte. „Wir haben den Kindern zum Beispiel erklärt, wie sie mit ihren Smartphones, aber auch mit richtigen Kameras und Mikrophonen arbeiten können“, sagte Nagel auf Oiger-Anfrage. Dass einige Szenen sichtlich mit Mobiltelefonen und nicht mit Profitechnik entstanden, hatte indes System: „Wir wollten das alles nicht so schulmäßig machen, sondern den Mediengewohnheiten der Kinder entgegen kommen“, sagte Stephan Wilczek. „Und da hat doch fast jeder inzwischen ein Smartphone und filmt damit ständig etwas.“ Die daraus entstandene Doku hatte ihre Premiere am 28. Mai 2016 im Striesener Programmkino Ost.

Autor: Heiko Weckbrodt

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