Freiwillige graben nach Schloss Prohlis

Diese Aufnahme vom brennenden Prohliser Schloss entstand im Dezember 1980 von einem der 17-Geschosser am Prohliser Anger aus. Foto: Archiv Palitzschmuseum

Diese Aufnahme vom brennenden Prohliser Schloss entstand im Dezember 1980 von einem der 17-Geschosser am Prohliser Anger aus. Foto: Archiv Palitzschmuseum

Palitzsch-Museum ruft zu Ostern zur Spurensuche auf

Prohlis, 6. April 2022. Auf die Spuren des niedergebrannten Schlosses Prohlis schickt Palitzsch-Museumsdirektor Peter Neukirch demnächst grabungsfreudige Familien, Hobby-Archäologen und Buddler. Sie werden ab Mai vor dem Prohliser Wäldchen an der Gamigstraße nach den Grundmauern und anderen Schloss-Überresten suchen, um sie freizulegen.

Geschichte statt Schätze zu erwarten

„Wir rechnen zwar nicht mit Schätzen oder besonderen Funden“, räumt Roland Schwarz ein, zu dessen „Technischen Sammlungen Dresden“ das Prohliser Museum organisatorisch gehört. „Aber das ist ein sehr schönes Bildungsangebot, das sich zu einem richtigen Magneten entwickelt hat.“ Und wer weiß: Vielleicht findet der eine oder andere Spurensucher ja tatsächlich ein interessantes Zeugnis der Prohliser Geschichte – erinnert sie nur an den Mammutzahn, an andere frühere Zufallsfunden, die seither den Weg in das Museum am alten Dorfanger gefunden haben.

Fundstücke kommen ins Museum

„Tatsächlich haben wir schon Einiges gefunden und das bewahren wir jetzt im Museum auf“, berichtet Peter Neukirch. Zu den Fundstücken gehören beispielsweise Scherben von Meissner Porzelan, eine Gipsrosette und Metallstücke. Abgesprochen seien die Freilegungs-Aktionen auch mit den professionellen Archäologen und Nachfahren der einstigen Kapp-herr-Schlosseigentümer: Moritz von Crailsheim habe das Areal zwischen Prohliser Kirche, Georg-Palitzsch-Straße und der ehemaligen Poliklinik für diese Bildungsangebote an das Musuem verpachtet, so Neukirch.

Schloss gehörte den Kapp-herrs

Die freiherrliche Familie Kapp-herr hatte in Angernähe 1887/88 ein altes Gehöft in ein Schloss im Stil der Neorenaissance umbauen lassen. Dort residierte fortan Johann Christian von Kap-herr Nach dem Krieg besetzte die Rote Armee das Anwesen, dann verpacktete Kapp-herr sein Schloss an die Kirchgemeinde Leubnitz-Neuostra. Später übernahm die Stadt Dresden die Immobilie, deren Nebengelasse zeitweise als Viehstall dienten. Später gab es auch die Idee, das Schloss zu sanieren und zu einem Kultur- und Gastronomiezentrum für das neue Plattenbaugebiet Prohlis umzubauen. Diese Pläne erledigten sich jedoch nach einer Brandstiftung 1980. Dabei wurde das Schloss so stark beschädigt, dass es 1985 abgerissen wurde.

Im Prohliser Wäldchen stand bis 1985 das Schloss der Kapp-herrs. Foto: Heiko Weckbrodt

Im Prohliser Wäldchen stand bis 1985 das Schloss der Kapp-herrs. Foto: Heiko Weckbrodt

Im Sommer 2021 hatte Peter Neukirch vom benachbarten Palitzschmuseum mit Freiwilligen begonnen, die Grundmauern des Schlosses wieder freizulegen. Das fand soviel Anklang, dass sich diese Grabeaktionen zu einem festen Termin im Stadtteilkalender entwickeln könnten.

Mit Schaufel, Spatel und Pinsel

„Schulklassen können dabei mehr über die Geschichte des Dorfes Prohlis und seiner Umgebung erfahren“, wirbt Neukirch für die nächste Grabungsaktion nach den Osterferien 2022. „Auch Einzelpersonen oder kleine Gruppen haben die Möglichkeit, während der Öffnungszeiten des Projektes mit Schaufel, Spatel und Pinsel auf die Suche zu gehen. Alle Fundstücke sollen auf ihre Bedeutung geprüft und – wenn möglich – geordnet und erhalten werden.“ Die genauen Termine will der Museumsdirektor demnächst auf seinen Internetseiten bekannt geben.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: TSD, Palitzschmuseum, dresdner-stadtteile.de, Privat-Archiv

Zum Weiterlesen:

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