
Konkurrieren ums Wasser: Enten, Skifahrer und Badendein der Kiesgrube in Dresden-Leuben. Archivfoto: Heiko Weckbrdt
Seit Jahrzehnten planschen Nackte und Textile zwischen Baggern, Wasserski-Fahrern und Enten – durch Buga könnte endlich ein „Erlaubt“-Schild kommen
Leuben, 9. März 2026. Seit DDR-Zeiten baden Nackedeis und Bekleidete oft und gern in den Leubener Kiesgruben – illegal, aber meist stillschweigend geduldet. Ursprünglich noch inmitten ratternder Förderbänder und Bagger, inzwischen umschwirrt von Wasserski-Fahrern. Nach Jahrzehnten solch unerlaubter Vergnügungen könnte die Stadt das Schwimmen in der südlichen Leubener Kiesgrube aber nun endlich auch offiziell erlauben: Laut einer „Machbarkeitsstudie“, die die „Buga Dresden 2033 gGmbH“ als Organisator der Bundesgartenschau (Buga) in Dresden heute vorgestellt hat, ist nach umfassender bürokratischer Prüfung „eine offizielle Badestelle mit dem Hinweis ,Baden auf eigene Gefahr’ realisierbar“.
Gartenbauausstellung als Auslöser
„Mit der Buga eröffnet sich das entscheidende Momentum, den lang gehegten Wunsch nach einer Badestelle am Kiessee Leuben Wirklichkeit werden zu lassen“, meint Buga-Dresden-Chef Marcel Timmroth. „Wir wollen hier einen Ort schaffen, der Erholung, Bewegung und Naturerlebnis verbindet – und das im direkten Wohnumfeld.“
„Wenn nun wieder mehrere Jahre ins Land gehen, riskieren wir wieder Unfälle oder gar Todesfälle.“
SPD-Stadträtin Kristin Sturm-Karls
Ob das wirklich so kommt, steht zwar noch nicht fest, gilt aber als wahrscheinlich. Die Stadt solle das Projekt nun schnell auf den Weg bringen, fordert heute beispielsweise bereits die SPD-Fraktion im Stadtrat. „Die Realität hat längst gezeigt, dass die Menschen dort baden und ihre Freizeit verbringen möchten“, betont SPD-Stadträtin Kristin Sturm-Karls.
Naturschutz-Tabuzone geplant
Konkret schlagen die Studienautoren nach umfassender Analyse vor, am Ostufer der Kiesgrube Süd – also in der Nähe von Wasserski-Station und Pirnaischer Landstraße, ein Schild mit der Aufschrift „Baden auf eigene Gefahr“ aufzustellen. Bojen sollen den für Badende erlaubten Bereich kennzeichnen, außerdem könnte es Toiletten, Sitzgelegenheiten, Fahrradabstellmöglichkeiten und Papierkörbe geben. Das Nordufer samt Halbinsel wird abgesperrt, damit sich dort Kröten, Enten und anderes Getier breit machen können. Dazu soll das Rathaus eine „Allgemeinverfügung“ erlassen, um das Ganze offiziell zu machen. Der städtische „Eigenbetrieb Sportstätten“ soll sich dann darum kümmern, dass die Badestelle nicht verdreckt – er wird allerdings keine Bademeister oder dergleichen nach Leuben delegieren.
Vorbereitung kostet knappe halbe Million
Unterm Strich rechnen die Studienautoren mit knapp 470.000 Euro Investitionen, um die Kiesgrube für den legalen Betrieb herzurichten. Auf weitere knapp 69.000 Euro im Jahr schätzen sie die laufenden Ausgaben für Pflege und Wartung.
Dass das Baden in Leuben so lange illegal war, hatte wechselnde und viele Gründe: In den 1980er Jahren hüpften die Nackedeis zwischen laufenden Kiesabbau-Maschinen ins Wasser, was nicht eben ungefährlich war. Nach der Wende wurde die Grube zeitweise als riesiger Mülleimer benutzt, um zum Beispiel alte Trabbis zu versenken und dergleichen. Auch die Eigentumsverhältnisse an der Kiesgrube spielten nun eine größere Rolle. Zudem starben in den Kiessee immer wieder Menschen, unter anderen wegen der instabilen, steilen Böschungen. Auch kam es immer wieder mal zu Konflikten zwischen Badern und Wasserski-Fahrern. Nicht zuletzt gilt das Areal als Naturschutz- und Hochwassergebiet, wie man vor allem im Sommer 2002 sehr deutlich sehen konnte.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: LHD, Buga Dresden 2033, Oiger-Archiv

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