Stadt baut ab Sommer restliche „Kipsdorfer“ zur Fahrradstraße um

Auch auf der Fahrbahn weisen Logos auf den neuen Status der Glashütter und Kipsdorfer Straße als Fahrradstraße hin. Foto: Heiko Weckbrodt

Auch auf der Fahrbahn weisen Logos auf den neuen Status der Glashütter und Kipsdorfer Straße als Fahrradstraße hin. Foto: Heiko Weckbrodt

Tolkewitzer Teil komplettiert ab Herbst 2026 die „Radroute Ost“

Tolkewitz/Striesen, 25. Februar 2026. Ab Juni 2026 bauen Arbeiter den östlichen Teil der Kipsdorfer Straße ebenfalls zur Fahrradstraße um. Das geht aus einer Präsentation von Verkehrsbürgermeister Stefan Kühn hervor. Durch den 950.000 Euro teuren Umbau zwischen Altenberger Straße und Schulcampus Tolkewitz komplettiert die Stadt Dresden bis zum Oktober 2026 die Radroute Ost, die dann durchgängig vom Straßburger Platz bis kurz vor den alten Laubegaster Elbarm führen wird.

Baubürgermeister Stephan Kühn und seine Radbeauftragte Paula Scharfe beim Proberadeln nahe den Technischen Sammlungen Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Baubürgermeister Stephan Kühn und seine Radbeauftragte Paula Scharfe beim Proberadeln nahe den Technischen Sammlungen Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

„Die Radroute Ost hat sich bewährt“
Dresdner Fahrradbeauftragte Paula Scharfe

„Die Verkehrsdaten zeigen: Die Radroute Ost hat sich bewährt“, betont die Dresdner Radverkehr-Beauftragte Paula Scharfe. „In diesem Jahr wird nun der letzte, östliche Abschnitt der Radroute angelegt. Das umfasst die Einrichtung der Fahrradstraße sowie die Herstellung weiterer Gehwegvorstreckungen.“

„Gehwegvorstreckungen“ sollen Durchgangsverkehr und Raserei mindern

Mit „Gehwegvorstreckungen“ meint Scharfe künstlich durch breitere Fußwege eingeengte Kreuzungen. Das soll den Auto-Durchgangsverkehr und die Raserei rücksichtsloser Autofahrer auf der Radroute Ost mindern. Erst kürzlich hatte die Stadt auf diese Weise mehrere Knotenpunkte im Striesener Teil der Radroute verengt, beispielsweise die Kreuzungen von Glashütter und Gottleubaer sowie von Kipsdorfer und Bärensteiner Straße.

Ähnlich wie hier an der Kreuzung von Glashütter und Gottleubaer Straße vergrößern Bauarbeiter nun an der Kreuzung der Radroute Ost mit der Bärensteiner Straße die Fußwege und verkleinern dadurch die Kreuzung. Foto: Heiko Weckbrodt

Ähnlich wie hier an der Kreuzung von Glashütter und Gottleubaer Straße vergrößern Bauarbeiter bald weitere Kreuzungen der Radroute im Tolkewitzer Teil der „Kipsdorfer“. Foto: Heiko Weckbrodt

Stadt will sechs weitere Kreuzungen verengen

Ähnliches ist nun auch für den Tolkewitzer Teil der Radroute Ost geplant, konkret für folgende Kreuzungen der Kipsdorfer Straße:

  • Ludwig-Hartmann-Str.
  • Schaufußstr.
  • Mühlbacher Str.
  • Berggießhübler Str.
  • Ankerstr.
  • Weesensteiner Str.

Gemini-Prognose: Jeder 4. Parkplatz an der Kipsdorfer Straße könnte wegfallen

Weitere konkrete Änderungen sind absehbar. So werden vermutlich viele Parkplätze auf der Kipsdorfer Straße wegfallen, einerseits durch vergrößerte Kreuzungsfußwege, andererseits durch die gesetzlichen Vorgaben für die Mindestbreite einer Fahrradstraße inklusive Autotür-Sicherheitsabstand. Genaue städtische Angaben zu den Parkplatzverlusten liegen uns noch nicht vor. Die Künstliche Intelligenz (KI) Gemini prognostiziert allerdings auf der Basis bisheriger Erfahrungen mit der Radroute Ost, dass auf dem knappen Kilometer zwischen Altenberger Straße und Schulcampus zirka 45 bis 70 Stellflächen wegfallen und damit etwa ein Viertel der bisherigen Parkplätze. Die „Kipsdorfer“ selbst wird auf jeden Fall zur Vorfahrts- und Fahrradstraße, auf der Autos geduldet sind, soweit sie Radler nicht behindern und das 30er-Tempolimit einhalten.

Ein Stück der Radroute Ost auf der Laubestraße ist nun für Autos eine Einbahnstraße. Foto: Heiko Weckbrodt

Ein Stück der Radroute Ost auf der Laubestraße ist für Autos eine Einbahnstraße – für Holger Zastrow ist das pure Behördenwillkür. Foto: Heiko Weckbrodt

Raser durch Einbahnstraßen für Autos ausgebremst – Zastrow geißelt Schilder als „Behördenwillkür“

Vor allem im Abschnitt zwischen Bertolt-Brecht-Allee und Altenberger Straße haben sich bisher viele Autofahrer nicht an diese Reglungen gehalten. Daher hat die Stadt inzwischen mit Einbahnstraßenschildern und den erwähnten Kreuzungs-Verengungen gegengesteuert. Der Durchgangsverkehr durch rasende Autos hatte danach auch zunächst abgenommen. Das „Team Zastrow“ und die CDU im Stadtrat wollen allerdings die Einbahnstraßenreglungen wieder abschaffen – Holger Zastrow prangert diese Eingriffe gegen den Kfz-Durchgangsverkehr auf der Fahrradstraße als „Behördenwillkür“ an.

Stadtverwaltung: Radroute Ost gewinnt ähnliche Bedeutung wie Elbradweg für Zweiradverkehr

Insgesamt ziehen Kühn und Scharfe aber eine positive Zwischenbilanz der Radroute Ost, die auf Nebenstraßen eingerichtet wurde – insofern vielen Auto- und Radfahrern gleichermaßen nutzt. Laut Rathaus-Angaben nutzten immer mehr Radler diese Abfolge von Fahrradstraßen, um rasch und relativ sicher zwischen dem Osten der Stadt und dem Zentrum zu pendeln. Verkehrszähler registrierten bis zu 1500 Fahrräder binnen zehn Stunden. Mittlerweile gewinne die Radroute Ost eine ähnliche Bedeutung für den Zweiradverkehr in der Stadt wie der Elbradweg.

Erste Vorarbeiten für die Radroute Süd zwischen Plauen und Hbf

„Aufgrund der guten Erfahrungen widmen wir uns ab diesem Jahr auch der Umsetzung der Radroute Dresden Süd“, kündigte die Fahrradbeauftragte an. Diese Route ist für Studenten und andere radelnde Dresdner gedacht, die rasch und sicher von Plauen und vom Uni-Hauptcampus bis zum geplanten Fahrrad-Parkhaus am Hauptbahnhof gelangen wollen – und umgekehrt. Wie schon bei der Ost-Route werden dafür nicht die Hauptverkehrsstraßen eingeengt, sondern Nebenstraßen zu Fahrradstraßen umgebaut – insbesondere die Hohe Straße und die Wielandstraße als Alternative zur „Budapester“ und zur „Chemnitzer“. Zum Auftakt sollen in diesem Jahr Radverbindungen von der Budapester Straße in die Wielandstraße und die Hohe Straße entstehen.

Weitere Radrouten und Radschnellwege geplant

Später sollen noch eine „Radroute Nord“ von Klotzsche gen Zentrum und weitere Fahrradstraßen folgen. Außerdem sind Radschnellwege nach Pirna, Radebeul, Radeberg und Freital vorgesehen – dieses Planungsverfahren zieht sich aber schon seit Jahren hin. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) hat beispielsweise für einen 17 Kilometer langen Radschnellweg von der Pirnaer Innenstadt bis Dresden-Leuben immer noch keine geeignete Route gefunden, die alle Vorgaben erfüllt – weder entlang der S172 noch auf der Strecke der ehemaligen Elbgeländebahn.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: LHD, Oiger-Archiv, Team Zastrow, Lasuv, Wikipedia

 

Grafik: M. Arndt
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