Streit um geplantes Wohnheim für Chipfabrik-Lehrlinge in Prohlis

Bauarbeiter am Werk. Themenfoto: Heiko Weckbrodt

Themenfoto: Heiko Weckbrodt

Ärztehaus soll Lehrlingsturm Platz machen – doch das sorgt für Kritik

Prohlis/Klotzsche, 3. Februar 2026. Gegen das geplante Groß-Lehrlingswohnheim für angehende Mikroelektroniker in Prohlis gibt es Widerstand – vor allem, weil die Stadttochter dafür das dortige Ärztehaus abreißen will. Die Dresdner CDU drängt die Stadtspitze, das Wohnheim entweder ein Stück weiter zur Prohliser Allee zu bauen oder den Ärzten und Schwestern rasch ein nahes Ausweichquartier heranzuorganisieren.

„Ärzte kalt erwischt“

„Die im Ärztehaus eingemieteten Praxen sichern einen Großteil der medizinischen Grundversorgung im Stadtteil. Im Sinne der Daseinsvorsorge müssen wir als Stadt dafür sorgen, dass für die Ärzte zunächst neue Flächen gefunden werden, bevor das Gebäude geräumt und abgerissen wird“, fordert der Prohliser CDU-Stadtrat Mario Schmidt. Die Stadt als Grundstückseigentümer habe den Praxen vor Ort bereits gekündigt „Die im Ärztehaus eingemieteten Ärzte wurden durch die Ankündigung der Verwaltung kalt erwischt.“

Zehngeschosser soll Unterkünfte für 320 Jugendliche von auswärts bieten

Hintergrund: Damit der Mikroelektronik-Boom in Sachsen nicht am Nachwuchsmangel versandet, wollen der Freistaat und die Landeshauptstadt eine 136 Millionen Euro teure Groß-Berufsschule für über 2400 künftige Chipwerker an der Boxberger Straße in Dresden-Prohlis bauen. Weil aber ein Teil dieser Mechatronik- und Mikrotechnologie-Lehrlinge von auswärts zuzieht und billiger Wohnraum in Dresden rar ist, plant die Stadt zusätzlich einen zehngeschossigen Wohnturm für rund 320 Azubis. Dieses neue Lehrlingswohnheim soll rund 25 Millionen Euro kosten, am Albert-Wolf-Platz entstehen, so dass die Lehrlinge nur für den Praxisteil ihrer Ausbildung in den Dresdner Norden zu den Chipfabriken in Klotzsche pendeln müssen, aber zwischen Berufsschule und Wohnheim eine kurze Wegstrecke haben.

Eröffnung im Sommer 2029 geplant

Im Sommer 2029 soll der Komplex bezugsbereit sein – also etwa ein Jahr nach der Eröffnung der neuen Mikroelektronik-Berufsschule. Damit das klappt, müsste die Stadttochter „Stesad“ noch in diesem Jahr das Ärztehaus – eine ehemalige Poliklinik aus DDR-Zeiten – abreißen und Anfang 2027 mit dem Rohbau beginnen. Geplant sind laut Stesad-Projektskizze 320 Einzelzimmer auf zehn Geschossen mit 32 Appartements und Küche je Etage. Die Baugesellschaft will Dach und Fassade begrünen. Der Zehngeschosser soll – zusammen mit den 16-Geschossern auf der anderen Seite der Prohliser Allee – zum „neuen Eingangstor für den Stadtteil Prohlis“ werden, heißt es im Stesad-Exposé.

CDU: Stadt muss erst Ausweichquartier finden – oder umplanen

CDU-Stadtrat Schmidt glaubt allerdings, dass es kein Problem sei, erst mal das Ärztehaus-Problem zu lösen: „Die Planungen befinden sich in einem so frühen Stadium, dass eine Baufeldverschiebung noch möglich ist“, meint er.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: LHD, CDU Dresden, Stesad, Oiger-Archiv

Grafik: M. Arndt
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