Streit um Parkhaus für Margonarena-Ausbau in Seidnitz

Die Stadt Dresden will die Margonarena vergrößern lassen und ein neues Parkhaus dahinter errichten – auf dem Platz des Tennisclubs Seidnitz. Foto: Heiko Weckbrodt

Tennisspieler wollen ihren mit Herzblut sanierten Platz dafür nicht aufgeben, die DSC-Damen dringen aber auf eine größere Halle

Seidnitz, 17. September 2020. Der geplante Um- und Ausbau der Margon-Arena an der Bodenbacher Straße in Seidnitz sorgt für Zündstoff: Der städtische Sportstätten-Eigenbetrieb will die Mehrzweckhalle vergrößern, einen Hilfs-Parkplatz zu einem Kunstrasenplatz umrüsten und als Ersatz ein neues Parkhaus bauen. Das Problem: Für dieses Parkhaus soll der „Tennisclub Dresden-Seidnitz“ seinen Court nahe der Margon-Arena räumen – und nach Reick umziehen.

Die Mitglieder des Tennisclub haben viel Arbeit und Geld in ihren Platz hinter der Margonarena gesteckt. Foto: Heiko Weckbrodt

„In dieser Anlage steckt unser Herzblut“

Das aber gefällt den Laiensportlern gar nicht: „In dieser Anlage steckt unser Herzblut“, betonte Tennisclub-Vorsitzender Gert Scharf nach der Präsentation dieser Pläne im Stadtbezirksbeirat Blasewitz. Die mühsam über Jahrzehnte aufgebauten und sanierten Tennisplätze für ein Parkhaus aufzugeben, das nur für wenige Wettkampftage im Jahr wirklich gebraucht werde, sei unverhältnismäßig.

Die Tennisspieler protestieren gegen das geplante Parkhaus auf ihrem Court in Seidnitz. Foto: Heiko Weckbrodt

Schwer lösbares Dilemma aus widerstreitenden Interessen

Mit seinen Argumenten stieß Scharf auf viel Sympathie bei den Blasewitzer Beiräten – allerdings auch auf Ratlosigkeit: Keiner im Gremium wusste das Dilemma so recht zu lösen, das sich da aus sächsischer Bauordnung, kommunaler Stellplatz-Satzung sowie den widerstreitenden Interessen der Seidnitzer Tennisfreunde, der DSC-Volleyballerinnen, der „Titans“-Basketballer und anderer Sportler zusammengebraut hat.

22 Jahre alte Arena muss auf jeden Fall saniert werden

Unzweifelhaft ist der Sanierungsbedarf der 22 Jahre alten Arena: Die Dachhaut und viele andere Elemente der Mehrzweckhalle sind marode. Zudem dringen vor allem die DSC-Damen schon länger darauf, mehr Sitzplätze in der Margon-Arena einzurichten und eine bessere Lounge für „sehr bedeutende Besucher“ (Very Important Persons = Vip) zu schaffen. Zudem will der Stadtrat ein neues Gymnasium mit dem Codenamen „Linkselbisch Ost“ (Leo) zwischen Bodenbacher und Winterbergstraße bauen lassen. Aus all diesen Wünschen haben die Stadttochter Stesad, die Bauplanungsfirma „Ipro Consult“ und der Sportstätten-Eigenbetrieb eine „Entwicklungsstudie – Sport- und Bildungscampus Bodenbacher Straße“ gestrickt.

An der Rückseite soll die Margonarena verlängert werden. Foto: Heiko Weckbrodt

Arena soll ab 2025 etwa 20 Prozent mehr Besucher fassen

Unter den dort skizzierten Varianten hat sich die Sportstättenbetriebsleitung inzwischen in die Variante „2a-2c“ verliebt, die – inklusive Parkhaus – mit knapp 40 Millionen Euro veranschlagt ist. Sie sieht vor, die Arena zu sanieren und gen Südwesten zu verlängern. Dadurch soll die Besucherkapazität von rund 3000 auf dann rund 3600 Sitzplätze wachsen. Vorgesehen sind ein Vip-Areal mit Terrasse für bis zu 450 Ehrengäste, neue kleinere Trainingsflächen, Reha, Sauna und anderen Einrichtungen für große Wettkämpfe und kleine Sportgruppen.

Auch Gymnasium geplant – und aus einem eher theoretischen Parkplatz wird ein Kunstrasenplatz

Nahe der Arena soll auch das Leo-Gymnasium samt Dreifeld-Sporthalle Platz finden. Der existierende Werferplatz wird verlegt und der Tennenplatz bekommt einen Kunstrasen. Und da beginnen die Konflikte: Bisher wurde dieser Platz nämlich großzügig als Parkplatz mitabgerechnet, das fällt dann flach. Bauordnung und Stellplatzsatzung geben dazu aber komplizierte Berechnungsschlüssel vor. Die laufen im konkreten Fall darauf hinaus, dass der Bauherr nach dem Umbau 371 Stellplätze in der Nähe der Arena nachweisen muss – in einer Fußweg-Entfernung von 500 Metern, höchstens aber 800 Metern. Verfügbar sind laut Studie aber nur rund eigene 200 Stellplätze in diesem Umkreis – der neue Sport- und Bildungscampus würde also das Parkplatzchaos für die Anwohner ringsum an Wettkampftagen sehr verschärfen. Um dennoch eine Baugenehmigung zu bekommen, schlagen die Planer daher vor, den Tennisplatz des Clubs zu opfern, um dort ein neues Parkhaus mit reichlich 150 Stellflächen zu bauen.

Umzug an die Reicker Straße

Die Seidnitzer Tennisspieler sollen deshalb ihre Anlage aufgeben und an die Reicker Straße umziehen. Dort betreibt der Eisenbahner-Sportverein (ESV) Dresden bereits eine – schon etwas betagte – Tennisanlage mit fünf Plätzen und einem Vereinshaus. Um die Tennisspieler kompromissbereit zu stimmen, versprach Steffen Broll Sportstättenbetrieb, die ESV-Anlage zu modernisieren und zu erweitern. Die Verwaltung geht davon aus, ab 2022 bauen zu können. Da das Areal aber ein Teil des immer wieder verzögerten Wissenschaftparks Ost ist, sind schon leichte Zweifel laut geworden, ob dieser Zeitplan überhaupt realistisch ist.

Tennisclubs-Chef: Parkhaus wird nur wenige Tage im Jahr gebraucht

Zudem hängen die rund 110 Seidnitzer Clubmitglieder an ihrem Tennisplatz, an dem vor über 50 Jahren teils schon die Eltern und Großeltern der heutigen Spieler mitgebaut haben. „In den 1990er Jahren haben wir die Anlage mit Mitgliederdarlehen, Eigenleistungen und Krediten für einen sechsstelligen Betrag aufwendig saniert“, betont Scharf. „Jetzt sind wir endlich schuldenfrei. Und nun soll diese schöne Anlage für ein Parkhaus weichen, das nur an wenigen DSC-Wettkampftagen im Jahr wirklich gebraucht wird?“ Das sei nicht nur unfair, sondern auch eine millionenteure Lösung für den Steuerzahler, der dann ein neues Parkhaus an der Bodenbacher Straße und eine neue Tennisanlage an der Reicker Straße finanzieren müsse.

CDU-Stadtrat Brauns: Dresden muss sich zwischen internationalem Anspruch und Provinz entscheiden

Genauso nachvollziehbar sind indes die Gegenpositionen: „Dresden hat den Anspruch, auch im Sport international mitzuspielen“, argumentiert beispielsweise CDU-Stadtrat Hans-Joachim Brauns. Mit den DSC-Damen und den Titans habe die Stadt zwei Mannschaften, die diesem Anspruch gerecht werden könnten. Und die bräuchten eben auch eine Arena, die internationalen Ansprüchen gerecht wird, wie in der Variante 2a-2c mit Parkhaus skizziert, betont Brauns. „An dieser Stelle muss sich Dresden entscheiden: Wollen wir international gut aufgestellt sein oder Provinz sein?“

Steffen Broll (rechts) vom Sportstätten-Eigenbetrieb hat die Pläne für den Marginarena-Ausbau im Stadtbezirksbeirat Blasewitz vorgestellt, neben ihm: Stadtbezirks-Amtsleiter Christian Barth. Foto: Heiko Weckbrodt

Dennoch blieb auch im Stadtbezirksbeirat Blasewitz Unbehagen zurück, dafür die engagierten Seidnitzer Tennisspieler über die redensartliche „Klinge springen zu lassen“. Das Gremium plädierte dafür, noch einmal alternative Lösungen für das Parkhaus zu suchen – und sei es durch den Kauf eines privaten Baugrundstücks in Arena-Nähe. Das letzte Wort hat letztlich der Stadtrat.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: Stadtbezirksbeirats-Sitzung Blasewitz, Tennisclub Seidnitz, Brauns, LHD

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