Seit 6 Monaten vom TV-Kabel abgezwackt

Teilweise baggern die Arbeiter schmale Gräben in die Fußwege, um die Glasfasern zu verlegen. Wo es aber geht, verwenden sie das Baum-schonende Bohrspülverfahren. Dabei graben sie nur Löcher und bohren die Rohrunnel dann unterirdisch mit Spezialbohrern. Foto: Heiko Weckbrodt

Teilweise baggern die Arbeiter schmale Gräben in die Fußwege, um die Glasfasern zu verlegen. Wo es aber geht, verwenden sie das Baum-schonende Bohrspülverfahren. Dabei graben sie nur Löcher und bohren die Rohrunnel dann unterirdisch mit Spezialbohrern. Foto: Heiko Weckbrodt

Blasewitzer fühlt sich von Vodafone vertröstet und verschaukelt – das Unternehmen wartet auf Genehmigungen

Dresden, 2. Oktober 2017. Siegfried Reuter und seine Nachbarn in der Oehmestraße 8 in Blasewitz sind sauer: Seit einem halben Jahr müssen sie nun schon auf die Sendervielfalt des Kabelfernsehens verzichten. „Anfang April 2017 wurde unser Grundstück unvermittelt vom Kabelnetz getrennt“ , berichtet Reuter. Seitdem habe der Konzern Vodafone, der seit der Übernahme von „Kabel Deutschland“ auch vielerorts TV-Kabelanbieter ist, die Mieter immer wieder nur vertröstet. Inzwischen erklärte Vodafone auf Oiger-Anfrage, etwa Ende Oktober bekomme Reuter das Kabelfernsehen zurück.

Immer wieder vertröstet

Anfang April hatte das Unternehmen in einer Mieterinformation angekündigt, dass „infolge einer technischen Umstellung der Empfang für kurze Zeit unterbrochen werden muss“. Dann folgte ein Aushang im Haus, dass der Wiederanschluss ab 15. Mai erfolgen soll, erzählt Reuter, der ebenso wie andere Fernsehfreunde im Haus mit jeder Woche immer verärgerter war. Doch auch daraus wurde nichts. Immerhin gab Vodafone den Mietern Gutscheine über 70 Euro, damit die sich eine Empfangsanlage für DVB-T, also für Digitalfernsehen per Zimmerantenne kaufen konnten.

„Damit haben wir zumindest die Grundversorgung abgesichert“, betont Vodafone-Abteilungsleiter Gerd von der Osten auf Anfrage der DNN. „Und natürlich haben wir die betroffenen Kunden von den Anschlussentgelten freigestellt.“

Dies war und ist für viele Mieter im Haus aber eine unbefriedigende Lösung: Einerseits sind über den Äther nur 13 öffentlich-rechtliche Programme per DVB-T empfangbar, nicht aber die zahlreichen Privatsender des Kabelnetzes. Andererseits konnten einige Anwohner wegen ungünstiger Lage die DVB-T-Sender nur eingeschränkt empfangen.

Ausgegraben und dann wieder zugeschüttet

Das Hin und Her zog sich indes immer weiter hin: „Ende Juli war ein Vertreter der Firma Vodafone im Grundstück, der versicherte, dass der Anschluss bis Ende August realisiert wird“, erzählt Siegfried Reuter. „Ende August bekamen wir die Anliegerinformation, dass zwischen 4. und 8. September Tiefbauarbeiten im Auftrag von Vodafone durchgeführt werden. Am 6. September stellte die Baufirma nach dem Aufgraben fest, dass das etwa ein Meter tief unter dem Fußweg liegende Kabel nicht das richtige Anschlusskabel sei, schüttete alles zu und verschwand wieder.“

Das mutet schon fast nach einem Schildbürger-Streich an, hängt aber mit der komplizierten Verkabelung in Striesen und Blasewitz zusammen, erläutert Gerd von der Osten: In Blasewitz seien viele Kabel-Hausanschlüsse 60 Zentimeter tief in der Erde und für diese Tiefe hatte das Unternehmen auch eine Ausschacht-Genehmigung von der Stadt bekommen. An der Oehmestraße 8 habe sich beim Baggern aber herausgestellt, dass die Anschlüsse dort viel tiefer versenkt seien – und dafür habe man eine neue Tiefbau-Genehmigung bei der Stadt beantragen müssen. „Wir rechnen in etwa vier Wochen mit der Erlaubnis“, sagt von der Osten. Dass die Mieter der Oehmestraße 8 so lange warten müssen, liege auch daran, dass sie erst im April als Neukunden von einer anderen Kabelgesellschaft zu Vodafone gewechselt seien. „Wir freuen uns natürlich über jeden neuen Kunden“, beteuert der Manager. „Aber unsere Kabel-Planungen basierten auf Informationen über unsere Bestandskunden.“

Veraltete Glasfasern millionenschwer überbaut

Denn Vodadone steht in Dresden kurz vor dem Abschluss eines millionenteuren unterirdischen Umbauprogramm. Dabei legten Arbeiter über 100 Kilometer neue Glasfaser-und Koaxial-Kabel für rund 28.000 Haushalte in Dresden.

Fehleinschätzung der Bundespost

Diese Investition war letztlich wegen einer Fehleinschätzung der ehemaligen Bundespost vor über 25 Jahren notwendig geworden. Die Postverwaltung beziehungsweise die aus ihr hervorgegangene Deutsche Telekom AG hatten nämlich Mitte der 1990er Jahre in Ostdeutschland ein Opal-Netz aufgebaut, unter anderem auch in Blasewitz und Striesen. Die dabei verlegten Glasfaser-Leitungen sollten das Netz eigentlich zukunftssicher machen. Tatsächlich aber erwies die verwendete spezielle Technikarchitektur als nutzlos für schnelles Internet. Deshalb bekamen die angeblich so zukunftssicher opalverkabelten Häuser in Striesen und Blasewitz jahrelang keine DSL-Zugänge.

Telekom rüstete auf FTTH nach – und schaltete altes Opal-Netz ab

Erst 2009 rüstete die Telekom diese Opalgebiete mit sogenannter GPON-Technik nach. 2014 verletzte sie schließlich ganz neue Glasfasern bis in die Wohnungen hinein („FTTH„-Technik). Das alte Opalnetz aber schaltet die Telekom schrittweise seit Ende 2016 ab. Dies wiederum setzte Vodafone beziehungsweise Kabel Deutschland unter Zugzwang, da diese für die TV-Verbreitung bis dahin die alten Telekom-Leitungen gemietet hatte. In der Konsequenz verlegte auch Vodafone eigene Glasfasern in Dresden. Dieses Opal-Überbauprogramm sei nun weitgehend abgeschlossen, teilte Gerd von der Osten mit. „Es fehlen nur noch wenige Häuser, zum Beispiel am Schillerplatz“, sagte er. Und, ach ja: die Oehmestraße 8.

Autor: Heiko Weckbrodt

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