Elaskon schmiert die Loschwitzer Schwebebahn

Dresdner Verkehrsbetriebe modernisieren derzeit die älteste Bergschwebebahn der Welt

Blick von der Bergstation der Schwebebahn in Dresden-Loschwitz auf das Blaue Wunder und den Osten Dresdens. Foto: Heiko Weckbrodt

Blick von der Bergstation der Schwebebahn in Dresden-Loschwitz auf das Blaue Wunder und den Osten Dresdens. Foto: Heiko Weckbrodt

Dresden, 3. März 2017. Das Dresdner Chemie-Unternehmen Elaskon schmiert die Schwebebahn – oder zumindest deren Stahlseile. „Gefühlt verwenden wir schon seit Ewigkeiten Elaskon-Schmiermittel“, sagte Betriebsvorstand Lars Seiffert von den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB).

Turmstation lenkt 400 Meter langes Stahlseil neunmal um

Das sei letztlich auch eine Sicherheitsfrage: „Das Schwebahn-Seil ist knapp 400 Meter lang und hat 38 Millimeter Durchmesser, wird im Turm der Bergstation neunmal umgelenkt“, sagt er. Das bringt erhebliche Dauerbelastung für die verdrillten Stahllitzen mit sich: Sie dürfen nicht knicken, nicht reißen und auch nicht rosten. Denn letztlich hängen an diesem Seil Menschenleben – immerhin befördert die Schwebebahn jährlich mehrere Hunderttausend Fahrgäste.

Elaskon-Manager Michael Kronschnabl (links) und Bergbahn-Gruppenleiter Carste Lauterbach von den DVB stehen auf der Gondel der Schwebebahn Dresden und schmieren das 39-Millimeter-Stahlseil. Foto: Heiko Weckbrodt

Elaskon-Manager Michael Kronschnabl (links) und Bergbahn-Gruppenleiter Carsten Lauterbach von den DVB stehen auf der Gondel der Schwebebahn Dresden und schmieren das 38 Millimeter dicke Stahlseil. Foto: Heiko Weckbrodt

DVB setzen für die „alte Oma“ seit Jahrzehnten auf Dresdner Schmierstoffe

Damit die Stahlseile mit diesem „Alltagsstress“ fertig werden, setzen die DVB schon seit DDR-Zeiten auf ein Schmier- und Konservierungsmittel aus Dresdner Produktion. Denn das „Elaskon 30“, entwickelt vor 60 Jahren vom damaligen Betriebs-Chef Günther Gedecke, löste seinerzeit eine kleine Revolution im Bergbau aus, weil es den Verschleiß von Förderseilen drastisch reduzierte. Auch heute noch setzen Bergbahn-Experten weltweit auf die Dresdner Chemie-Expertise.

Modernisierung kostet 600.000 Euro

Die aktuelle Seilschmier-Aktion ist Teil einer großen Wartung und Erneuerung der Dresdner Schwebebahn am Loschwitzer Elbhang. Insgesamt investieren die DVB derzeit rund 600.000 Euro in die Bergbahn, wobei davon zirka 450.000 Euro aus Landeszuschüssen kommen. Mit dem Geld schmieren die Bergbahn-Arbeiter nicht nur die Stahlseile, sondern tauschen auch die gesamte Steuerungstechnik aus und modernisieren den Brandschutz in der Schwebebahn. Unter anderem tauschen sie alte Analog- gegen moderne Digitalanlagen aus, modernisieren die Stromversorgung, installieren eine neue Hauptsteuerung in der Bergstation sowie eine neue Nebensteuerung in der Talstation. Außerdem bauen sie in der Schwebebahn-Gondel feuerfeste Materialien und eine Wechselsprechanlage für Notfälle ein.

Ab Ostern schwebt die Bahn wieder den Hang hoch

Um all dies zu erledigen, pausiert die Schwebebahn seit Anfang Januar. Zu Ostern soll sie wieder in Betrieb gehen. Für die Standseilbahn planen die DVB eine ähnliche Modernisierung – der genaue Termin steht aber noch nicht fest.

Alte Antriebswelle vor der Bergstation der Schwebebahn Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Alte Antriebswelle vor der Bergstation der Schwebebahn Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Aus der Geschichte der Schwebebahn Dresden

Die 115 Jahre alte Dresdner Schwebebahn ist – anders als die benachbarte Standseilbahn – ein Unikat. Sie ging am 6. Mai 1901 in Betrieb und gilt damit als älteste noch aktive Bergschwebebahn der Welt. Die führerlose Gondel ist eine Einzelanfertigung. Anfangs mit Dampf betrieben, treibt seit 1909 Gleichstrom die Motoren an. Zwischen Tal- und Bergstation liegen knapp 274 Meter, die Bahn überwindet dabei binnen viereinhalb Minuten einen Höhenunterschied von 84,2 Meter. Die Gondel bewegt sich mit 1,6 Metern pro Sekunde fortbewegen und kann pro Stunde und Richtung bis zu 400 Menschen transportieren. Die Talstation ist nahe am Blauen Wunder an der Pillnitzer LandStraße (kurz vor der Loschwitzer Kirche) zu finden, die Bergstation hat die Adresse Sierksstraße 2.

Autor: Heiko Weckbrodt

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